Nils Dreyer von Hilfswerft im Gespraech

Hilfswerft ist ein gemeinnuetziges Unternehmen, das sich zur Aufgabe gemacht hat, soziales Engagement durch Unternehmertum zu fördern. Dabei setzt Hilfswerft seinen Fokus nicht nur auf Social Entrepreneurs und deren Projekte und Ideen, sondern richtet sein Angebot an den gesamten unternehmerischen Kreislauf.
Nils Dreyer, Geschaeftsfuehrer und Gesellschafter, hat mit uns über Hilfswerft und die Vision dahinter gesprochen. NIls Dreyer

Hallo Nils, was genau ist Hilfswerft und mit welchem Ziel wurde es gegründet?

Hallo Vanessa, die Hilfswerft ist eine gemeinnützige GmbH, die sich für die Verbreitung und Weiterentwicklung des Konzeptes des Sozialen Unternehmens engagiert: Gesellschaftlicher Nutzen, nachhaltiges Wirtschaften und finanzieller Erfolg gehen dabei Hand in Hand. Neben Social Entrepreneurship – der Gründung neuer sozial agierender Unternehmen –  forcieren wir auch Social Intrapreneurship. Konkret heißt das: wir schulen, beraten und coachen Social Entrepreneurs, oder solche, die es werden wollen und wir beraten Unternehmen dabei, wie sie neben einer finanziellen, auch eine sozial-ökologische Rendite erwirtschaften können.
Ziel ist es, unser Wirtschaftssystem schrittweise zu verändern und Soziales Unternehmertum langfristig als eine Alternative zum klassischen Wirtschaften zu etablieren.

Wie kam es dazu, den Fokus auf soziale Unternehmen zu legen?

Vor zwei Jahren wurde meine Tochter geboren. Dies war ein Wendepunkt in meinem Leben. Mit Sönke Burkert und Carsten Lessmann konnte ich zwei meiner besten Freunde für die Gründung der Hilfswerft gGmbH gewinnen. Wir haben die letzten Jahre erfolgreich Unternehmen gegründet und aufgebaut. Diese Erfolge führten zu dem gemeinsamen Willen mit unserem Know-How die Gesellschaft positiv zu gestalten.

Ziel ist es, unser Wirtschaftssystem schrittweise zu verändern und Soziales Unternehmertum langfristig als eine Alternative zum klassischen Wirtschaften zu etablieren.

Du hast an der Uni Witten/Herdecke studiert. Wie hat dich die Universität geprägt und welchen Bezug hast du heute noch zu Witten?

Ich konnte in meinem bisherigen Berufsleben sehr von den Erfahrungen profitieren, die ich während meines Studiums gemacht habe. Unterm Strich waren weniger die Inhalte entscheidend, sondern die berühmten Softskills sowie Denk- und Handlungsweisen – das unterliegt auch keiner Halbwertszeit. Ohne Witten würde ich jetzt wahrscheinlich nicht im Social Business Bereich arbeiten.
Gerade bin ich als Dozent an der UWH zurückgekehrt. Im Rahmen des Stufu machen wir ein Social Entrepreneurship Camp. Dort schaffen wir perfekte Rahmenbedingungen um Geschäftsmodelle zu entwickeln, die neben einer finanziellen auch eine gesellschaftliche Rendite haben. Das ganze findet als Blockseminar vom 15.-17. Januar statt. Studierende der UWH können sich über UWE anmelden. Andere Interessierte bitte Mail an mich (nils@hilfswerft.de).

Soziales Engagement ist nicht, wie viele denken, mit einer Spende an gemeinnützige Institutionen gleichzusetzen.

Wie genau möchte Hilfswerft soziales Engagement mit Unternehmertum fördern?

Soziales Engagement ist nicht, wie viele denken, mit einer Spende an gemeinnützige Institutionen gleichzusetzen. Wir sind der Meinung, dass mit Spenden alleine die gesellschaftlichen Probleme nicht gelöst werden können. Um wirklich nachhaltig etwas auszurichten, braucht es qualifizierte Unternehmer mit Verantwortungsbewusstsein. So können Unternehmen gegründet werden, die nicht ihre Gesellschafter reich machen, sondern die Gesellschaft bereichern.

Auf welche Weise unterstützt ihr Social Entrepreneurs und welche Kriterien müssen diese erfüllen um mit einem Projekt Hilfestellung zu erhalten?

Um Social Entrepreneurs ganzheitlich zu begleiten haben wir ein Netzwerk erfahrener und sozial engagierter Unternehmer, den sogenannten Social Business Angels, aufgebaut. Diese fördern die ausgewählten Projekte mit ihrer Expertise praxisnah durch Coachings oder Workshops. Zudem übernehmen wir teilweise auch Interims-Tätigkeiten, wie z.B. Vertrieb oder Marketing. Grundsätzlich orientieren wir uns immer am individuellen Engpass bzw. fragen uns, wie man diesen am besten behebt.
HilfswerftÜber unserer Website kann man Projektideen einreichen (bitte Vorlage ben
utzen). Diese Anfragen werden von unserem Hilfswerft-Team rege diskutiert und vorselektiert. Grundlegend ist für uns dabei, dass mit unserer Unterstützung dieser Projekte eine soziale Wirkung erzielt werden kann.


(Bild: v.l.n.r.: Carsten Lassmann, Sönke Burkert, Nils Dreyer)

Um wirklich nachhaltig etwas auszurichten, braucht es qualifizierte Unternehmer mit Verantwortungsbewusstsein.

Welche Projekte habt ihr bisher unterstützt?

Wir sind seit einem Jahr unterwegs und haben bisher ca. 10 Projekte unterstützt – große und kleine.

Eines unserer ersten Projekte war Einhorn Condoms. Die Einhorn-Jungs Waldemar und Philip haben das Ziel, ein faires & nachhaltig produziertes Kondom auf den Markt zu bringen. Mit ihren Gewinnen engagieren sie sich in der Sexual-Aufklärung. Wir unterstützten Einhorn bei der Vermarkt
ung ihrer Crowdfunding-Kampagne und beschafften unter anderem Kontakte zu einer der führenden Drogerieketten. Spätestens seit dem Auftritt in der Höhle der Löwen ist Einhorn recht bekannt.
Aktuell unterstützen wir z.B. die Humanitarian Logistics Organisation (HLO) bei Onlinemarketing, Geschäftsmodell-Optimierung, Teamfindung sowie Kontakten. HLO hat das Ziel, die Logistik-Effizienz von Hilfsorganisationen zu steigern. Das klingt vielleicht unsexy, aber damit sorgen sie dafür, dass ein deutlich höherer Anteil der eingesetzten Hilfsgelder ihrem eigentlichen Zweck zukommen kann.

 

Auch bereits etablierte Unternehmen und Organisationen können sich an euch wenden. Wie sieht da eure Unterstützung aus und welche Gegenleistung müssen diese erbringen?

Wie eben schon kurz angedeutet, sehen wir Social-Intrapreneurship als einen sehr wichtigen Hebel. Darunter verstehen wir das Engagement bestehender Unternehmen, mit dem Ziel, neben einer finanziellen, auch eine sozial-ökologische Rendite zu erwirtschaften. Im Idealfall gelingt dies den Unternehmen mit ihren bereits bestehenden Produkten – allerdings umgenutzt oder in neun Märkten.
Wir unterstützen Unternehmen sowohl bei der Ideenentwicklung – teilweise zusammen mit Partnerhochschulen – als auch in der Umsetzung in ihrer Organisation. Über diese Leistung refinanzieren wir unsere kostenlosen Leistungen für Social Entrepreneurs und unser Engagement an Universitäten. Wer uns kennen lernen möchte, kann gern an unserer Veranstaltung in Witten teilnehmen.

Was ist für euch der nächste Schritt und welche Ziele möchtet ihr erreichen?

Wir haben seit unserer Gründung Ende 2014 enorm viel erreicht. Dies zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind – dennoch ruhen wir uns nicht aus!
Wir werden schrittweise immer mehr Veranstaltungen zu Social Entrepreneurship an den wirtschaftsnahen Hochschulen platzieren. Bis Ende 2025 soll das Thema fester Bestandteil aller Wirtschaftsstudiengänge sein. Um hier noch schneller wachsen zu können, suchen wir gerade nach einem Partner aus der Stiftungslandschaft.
Entscheidend für unseren wirtschaftlichen Erfolg wird die Zusammenarbeit mit Unternehmen im Bereich Social Intrapreneurship sein – hierauf wird unser Hauptaugenmerk liegen. Aktuell planen wir hierzu eine Veranstaltung mit dem BMWI. Für Anfragen und Ideen aus dem Kreis der Uni Witten/Herdecke sind wir immer offen (nils @ hilfswerft.de)!

 

 

Kontakt und Infos zu Hilfswerft:

web: hilfswerft.de
nils@hilfswerft.de

Add a comment