Life’s a Pitch – Der Pitch Doctor im Interview

Als Pitch Doctor reist Christoph Sollich durch die ganze Welt und lehrt dabei zukünftigen Gründerinnen und Gründern die Kunst des Pitchens. Vor wenigen Wochen gab es auch im EZW eine Sprechstunde, von der unsere VISIONEST-Startups und Studierende der UW/H viel lernen konnten. Nachträglich gab uns Christoph Sollich noch ein kleines Interview:

Christoph Sollich - The Pitch Doctor FULL

Hallo Christoph! Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Du bist als sogenannter Pitch Doctor unterwegs. Was genau ist deine Mission?

Ich helfe Gründern dabei, Ihre Startups besser zu pitchen. Um Investoren aber auch potentielle Partner zu gewinnen, muss man als Startup in der Lage sein, seine Firma in sehr kurzer Zeit so zu präsentieren, dass der Zuhörer sagt, „das ist spannend, mit den GründerInnen muss ich mich mal näher unterhalten.“ Der Pitch ist also immer der Türöffner für intensivere Gespräche. Aber wenn die Tür nicht auf geht – weil der Pitch nicht gut war – scheitert man schon am ersten Schritt. Und das ist sehr schade. Ich sage immer, es ist völlig okay, wenn ein Startup scheitert. Aber bitte nicht an einem schlechten Pitch. Denn das ist recht leicht zu verhindern – wenn man einen guten Pitch Doctor hat. 😉

Zu deinen Auftritten erscheinst du immer mit Stethoskop. Wie bist du auf die Idee gekommen, als Arzt verkleidet Junggründern zu helfen ihre Pitch-Fähigkeiten zu verbessern?

Am Anfang war das Pitch Coaching für mich eher ein Hobby. Ich hab gelegentlich bei Acceleratoren oder Events gecoacht, oder mal einen Vortrag übers Pitchen gehalten. Dann hat einer der Gründer, die ich gecoacht habe, angefangen, mich mit „Hey Pitch Doctor“, zu begrüßen. Das hat mir gefallen, ich hab den Pitch Doctor dann auf meine Visitenkarte geschrieben, und los ging´s. Und von da war es nur noch ein ganz kleiner Schritt, online ein Stethoskop zu bestellen. 🙂

Ich sage immer, es ist völlig okay, wenn ein Startup scheitert. Aber bitte nicht an einem schlechten Pitch.

Was sind die größten Fehler, die Startups beim Pitchen machen und was rätst du ihnen?

Gut Pitchen ist kein Hexenwerk, man kann es lernen, und es hat vor allem mit der Bereitschaft zu tun, sich damit zu beschäftigen und die notwendige Arbeit rein zu stecken. Insofern ist der größte Fehler sicher, wenn man es auf die leichte Schulter nimmt. „Wird schon“ hat noch immer zur Katastrophe auf der Bühne geführt. Der zweite große Fehler ist meiner Erfahrung nach, dass viele GründerInnen sich nicht von ihrer eigenen Perspektive lösen können. Das heißt, sie pitchen aus ihrer eigenen Sichtweise, und nicht aus der des Publikums. Warum ist das problematisch? Weil man als GründerIn ja alles über sein Startup, seinen Markt etc. weiß. Das Publikum weiß aber nichts. Deshalb muss man immer überlegen, welche Informationen jemand über das Startup benötigt, der sich nicht rund um die Uhr damit beschäftigt. Klingt einfach, ist  es aber nicht. Es gibt noch viele andere Fehler, die GründerInnen machen, aber die beiden sind die schlimmsten!

Im Grunde bist du ein Ein-Mann-Startup. Was war die bisher größte Herausforderung für dich als Unternehmer?

Als „Solopreneur“ skaliert man halt nicht. Ich könnte eigentlich immer auf zwei Events gleichzeitig sein, in zwei Städten gleichzeitig coachen, aber ich kann mich nicht zerteilen. Da muss man unheimlich viele spannende Sachen und vielen netten Menschen absagen, sonst klappt es nicht. Das fällt mir immer noch nicht leicht, aber ich bekomme es hin. Obwohl ich mir schon manchmal eine(n) Pitch Doctor-Azubi wünsche, dem ich all meine Weisheit (und ein Stethoskop) mitgeben kann, dann wären wir immerhin schon mal zwei. 🙂

In Berlin sind die Wege sehr kurz zu jemandem, der etwas schon mal erfolgreich gemacht hat. Da muss man als Ruhrgebiet-GründerIn vielleicht mal in den ICE steigen, nach Berlin oder anderswo hin.

Als Pitch Doctor  lernst du viele Gründer*innen kennen. Inwieweit unterscheidet sich ein Gründer aus dem Ruhrgebiet von einem aus z.B. Berlin?

Abgesehen von den Hipster-Brillen, -Bärten und extrem engen Hosen in Berlin? 😉 Ich glaube die Unterschiede sind klein, gerade bei sehr jungen GründerInnen. Bei den Älteren haben in Berlin viele vor ihren eigenen Startups schon in anderen Startups gearbeitet, und wissen ein bisschen mehr, wo es lang geht. Aber die GründerInnen, die direkt nach der Uni loslegen, leben in beiden Orten vor allem von ihrem Enthusiasmus, ihrer Nicht-Akzeptanz des Status Quo, und ihrer Belastbarkeit was Nachtschichten angeht. 🙂 Insgesamt haben mich meine Reisen durch die Startup-Ökosysteme vor allem eines gelehrt: Egal ob Berlin, Zagreb oder Cairo, GründerInnen sind sich sehr ähnlich. Sie haben die gleichen Ziele, die gleichen Probleme und sehr ähnliche Ansichten. Entrepreneurship ist eine internationale Kultur.

PITCH DOC

Was muss deiner Meinung nach im Ruhrgebiet passieren, um als Region mehr Beachtung in der  Startup-Szene zu finden?

Das braucht nur ein bisschen Zeit. Erfahrung und Netzwerk spielen große Rollen beim Gründen, und da helfen die Jahre natürlich, die Berlin „Vorsprung“ hat. In Berlin sind die Wege sehr kurz zu jemandem, der etwas schon mal erfolgreich gemacht hat. Da muss man als Ruhrgebiet-GründerIn vielleicht mal in den ICE steigen, nach Berlin oder anderswo hin. Aber mit harter Arbeit, und wenn alle sich gegenseitig unterstützen, wird das in ein paar Jahren schon kein Thema mehr sein. Und das ist ja das Schöne an der Startup-Welt, je mehr mitmachen, desto besser für alle.

 

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Bilder: © Christoph Sollich,
Polaroid spottet in Berlin @ Metro Accelerator

 

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