„Der Pott hat uns eine gesunde Erdung mit auf den Weg gegeben“

Lunchio im Gründerinterview

Im vergangenen Jahr wurde das ursprünglich im EZW gegründete Unternehmen „Lunchio“ in den
Techstars METRO Accelerator in Berlin aufgenommen, der sich auf die Förderung innovativer Technologien und Geschäftsmodelle für die Gastronomie und Hotellerie spezialisiert hat. Auch ein Seed-Investment, womit ein erstes Investment in der Gründerphase gemeint ist, wurde abgeschlossen. Am 12. Oktober 2015 begann für die Lunchio-Gründer das 13-wöchige Programm in Berlin. Im German Technology Entrepreneurship Center (GTEC) auf der Berliner Museumsinsel durfte das junge Unternehmen ein Büro beziehen und gemeinsam mit anderen Startups sein Geschäftsmodell weiterentwickeln und ausbauen. Das Programm ist nun seit Januar vorbei und seither hat sich viel getan – was genau, berichtet Deniz Caglayan, Co-Founder & COO von Lunchio.

Hallo Deniz! Danke, dass du dir erneut die Zeit für ein Interview mit uns genommen hast. Letztes Jahr ist Lunchio im Rahmen des Metro Accelerator Programms nach Berlin gezogen. Wie gefällt es euch in der Startup-Hauptstadt Deutschlands?

Sehr gut! Berlin ist mittlerweile zur zweiten Heimat für uns geworden. Die Stadt ist extrem aufregend und immer am Puls der Zeit, vor allem natürlich was die Gründerkultur und die Startup-Dichte angeht.lunchio_logo_cmyk_orange Vor allem durch Techstars konnten wir uns auch recht schnell ein Netzwerk aufbauen und viele interessante Leute kennen lernen. Insgesamt sind wir sehr glücklich in Berlin und bereuen den Schritt auf keinen Fall.

Berlin ist aufgrund der offenen, lebendigen, kreativen und internationalen „Immer-was-los“-Atmosphäre ein guter Standort, der viele Talente anlockt und somit besonders attraktiv für Startups ist.

Die Aufnahme in den TECHSTARS Metro Accelerator war eine großer Schritt. Wie war die Zeit im Programm, welche Bereicherung stellte es für euer junges Unternehmen dar und wie konnte sich Lunchio entwickeln?

Der Accelerator war eine Wahnsinns-Erfahrung für uns. Einmal natürlich, weil wir im gleichen Zug unsere erste Finanzierungsrunde abgeschlossen hatten und u.a. mit der METRO knapp 2 Monate nach Launch bereits einen extrem starken Investor mit an Bord hatten. Die Zeit im Accelerator war dann geprägt durch sehr lange Arbeitstage- und Nächte, viele intensive Mentorengespräche, einigen Pivots und Iterationen und letztlich dann die Vorbereitung auf den Demo Day und das anschließende Fundraising. Zum anderen haben während der Zeit extrem viel dazu gelernt, vor allem in Sachen „Do more faster“, dem bekannten Techstars-Motto, aber durch zahlreiche Workshops auch zu ganz konkreten Themen wie Fundraising, Investor Relations, Sales, Traction, Growth Hacking oder Recruiting. Also viele Dingen, die man nur durch Praxis lernt und nicht zwangsläufig in einem klassichen BWL-Studium. Das hat uns geholfen, die Dinge konkreter anzugehen und weniger ins Blaue hinein zu probieren.


Das Programm ist ja nun seit Januar vorbei. Was ist seitdem passiert?

Unmittelbar nach dem Demo-Day haben wir mit dem Fundraising unserer Seed-Runde begonnen und konnten sie Ende Mai erfolgreich abschließen. Gemeinsam mit unserem neuen Investor, Dr. Max Iann, der uns mit seiner langjähigren Erfahrung als Unternehmer strategisch unterstützt, wollen wir weiter wachsen und unseren Kunden das bestmögliche Produkt bieten. Eine weitere große Entwicklung ist, dass unser Team seit dem Demo Day stark gewachsen und mittlerweile mehr als doppelt so groß als noch Ende Januar ist. Aktuell sind wir 15 Leute, die alle die Vision haben, der Pionier für digitale Essensmarken zu werden. Damit verbunden war auch der Auszug aus dem Accelerator in unser neues Büro in Kreuzberg. Hier haben wir viel Platz und sogar die obligatorische Tischtennisplatte hat noch gut reingepasst.

Wir wollen mit Lunchio so eine ganz neue Art der Lunch-Kultur etablieren und sehen als uns Pionier auf diesem Gebiet.

Wieso habt ihr euch dazu entschlossen, in Berlin zu bleiben?

Die Entscheidung haben wir gar nicht so bewusst getroffen. Zumindest gab es kein Meeting, in dem explizit über den zukünftigen Unternehmensstandort entschieden wurde. An irgendeinem Zeitpunkt war einfach allen klar, dass wir nicht mehr nach Witten zurück gehen werden, sondern in Berlin bleiben. Wir hatten ja bereits begonnen, auch in Berlin unser Netzwerk zu erweitern, haben Partner-Restaurants akquiriert und bereits testweise unser B2B-Produkt in Berlin vertrieben. Spätestens als im wir im Januar dann die ersten Vollzeit-Mitarbeiter eingestellt haben, war eigentlich allen klar, dass der Unternehmenssitz zukünftig in Berlin liegen wird.

Was ist an der Stadt besonders und gibt es vielleicht doch Momente, in denen ihr den Ruhrpott vermisst?

Schwer zu sagen. Ich denke auch, dass das jeder unterschiedlich wahrnimmt. Als Gründer fällt einem sicherlich als erstes auf, dass hier eine ganz andere Gründungskultur herrscht und die Startup-Szene einfach sehr groß ist und somit auch wirtschaftlich einen extremen Stellenwert hat – kein Wunder bei über 600 Unternehmen und 13.000 Mitarbeitern. Die Stadt ist aufgrund ihrer offenen, lebendigen, kreativen und internationalen „Immer-was-los“-Atmosphäre ein guter Standort, der u.a. auch wegen der verhältnismäßig geringen Lebenshaltungskosten – im Vergleich zu London, Paris oder Stockholm – viele Talente anlockt und somit besonders attraktiv für Startups ist. Neben immer besserem Zugang zu Kapital, großen Playern wie Zalando oder Rocket Internet und nicht zuletzt wegen einem evtl. anstehenden Brexit werden sich in den nächsten Jahren sicherlich noch einmal deutlich mehr Unternehmen für den Standort Berlin entscheiden.

An unsere Anfänge im Ruhrgebiet denken wir aber trotzdem immer wieder gerne zurück. Hier hat schließlich alles für uns angefangen. Vielleicht ist es auch von Vorteil, dass wir erst im eher beschaulichen Witten gestartet sind und nicht sofort in der großen gehypten Startup-Welt in Berlin. Insofern hat uns der Pott vielleicht eine gesunde Erdung mit auf den Weg gegeben.

Vielleicht ist es auch von Vorteil, dass wir erst im eher beschaulichen Witten gestartet sind und nicht sofort in der großen gehypten Startup-Welt in Berlin.


Wie fühlt es sich an, ein erstes eigenes Office zu haben und welche Vor- oder Nachteile stellt es dar?

In erster Linie ist es extrem praktisch, da es hier keine Ablenkungen durch andere Startups gibt und jeder im Office einfach auf das gleiche Ziel hin arbeitet. Das ist schon ein deutlicher Unterschied zu der Zeit im Accelerator, wo wir uns zwar auch sehr wohl gefühlt haben, aber das hier ist einfach noch mal ein anderes Level. Und es zeigt einem auch so ein bisschen die eigene Entwicklung auf, wenn man dann an die Anfänge im EZW zurückdenkt. Wir fühlen uns in unserem Hinterhof-Office in Kreuzberg aber auch wirklich sehr wohl, vor allem der Loft-Charakter mit Lastenaufzug, hohen Decken und großen, offenen Flächen gefällt uns sehr gut. Definitiv vorbei sind jetzt aber auch die Zeiten der Mietfreien Büro-Nutzung und dem Rundum-Sorglos-Paket, das wir bisher genießen durften. Das war natürlich auch nicht so schlecht.


Was sieht die aktuelle Strategie von Lunchio aus und welche Ziele habt ihr euch für die kommenden 6 Monate gesetzt?

Nachdem der Relaunch unserer Website nun abgeschlossen ist, konzentrieren wir uns jetzt darauf, weiter zu wachsen und verfolgen sehr konzentriert unser Ziel, Unternehmen eine smarte und effiziente Organisation der Mittagspause zu ermöglichen. Nebenbei sorgen wir dafür, dass unsere internen Prozesse und Organisationsabläufe immer besser greifen, effizienter ablaufen und weiter automatisiert werden. Der Fokus liegt ganz klar auf der Steigerung unserer Traction sowie der Produktentwicklung, aber uns ist es auch wichtig, parallel dazu bereits ein solides Fundament zu bauen, dass uns bei der weiteren Skalierung unseres Business stützt.

Kurzfristig werden wir bald in neue Städte expandieren. Langfristig werden wir uns zukünftig noch stärker auf Unternehmen konzentrieren, die ihren Mitarbeitern eine leckere und entspannte Mittagspause in den besten Restaurants der Stadt ermöglichen wollen. Eine große Rolle spielen dabei unsere digitalen Essensmarken, die direkt in Lunchio integriert sind und Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihren Mitarbeitern die Mittagspause mit bis zu 6,20€ steuerfrei zu bezuschussen. Das senkt nicht nur die Lohnnebenkosten, sondern ist auch eine besonders attraktive Art der Mitarbeitermotivation. Arbeitnehmer wiederum haben neben dem bereits bekannten Wegfallen der Wartezeit nicht nur mehr vom Mittag, sondern erhalten mit digitalen Essensmarken von Lunchio mehr Netto vom Brutto, was sich in jeder Mittagspause bemerkbar macht. Wir wollen mit Lunchio eine ganz neue Art der Lunch-Kultur etablieren und sehen als uns Pionier auf diesem Gebiet.

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