VISIONEST-Leiterin Lena im Gespräch

Unsere liebe Lena, Mitarbeiterin des EZW und Leiterin des ersten VISIONEST-Programms, zieht es für ein halbes Jahr ins Ausland. Zum temporären Abschied, widmete sie uns noch einmal ihre Zeit und beantwortete ein paar Fragen zu ihren Erfahrungen als Leiterin des Frühphasen-Accelerator Programms VISIONEST, das im vorigen Jahr erstmalig gestartet ist.

Du hast nun ein Jahr lang das Frühphasen-Accelerator-Programm VISIONEST des EZW geleitet und dabei die Teams eng betreut. Wie hast Du diese Zeit empfunden und was hast Du für Deinen weiteren Lebensweg mitnehmen können?

Die 9 Monate waren eine sehr lebendige Zeit. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, zu sehen, wie die Gründer mit voller Energie ihren Visionen nachgegangen sind. Mit diesem Ehrgeiz haben die Gründerteams sehr viel gearbeitet und konnten ihre Ideen zum Leben erwecken. Dadurch konnte auch ich viel von den Gründern lernen. Zum Beispiel, dass „going the extra mile“ beim Gründen immer dazu gehört, denn nur derjenige, der bereit ist noch härter und noch länger an seiner Idee zu arbeiten, wird weiterkommen. Dabei trotz Fehlern und Rückschlägen nicht aufzugeben und den Mut zu haben, weiterzumachen und zu schauen, was man besser machen kann – von dieser Einstellung habe ich mir eine große Scheibe abgeschnitten.

Das Gründen als wirkliche ernst zunehmende Alternative zu etablieren, war meine größte Motivation.

Was war Deine größte Motivation, als Leiterin des VISIONEST-Programms, den Gründergeist im Ruhrgebiet zu fördern und Startups in den ersten Unternehmensphasen zu unterstützen?

bfp_ezw_2016-04-26_021_editKurz gesagt, um den jungen Menschen die Angst vor dem Gründen zu nehmen und ihnen ein Ort zu geben, wo sie sich zunächst erproben können, ohne direkt viel Geld investieren zu müssen. Wir haben gerade hier im Ruhrgebiet so viele junge Studenten verschiedenster Fachrichtungen, die ein enormes Potential mitbringen. Die meisten wählen jedoch das Angestelltenverhältnis, ohne die Selbstständigkeit jemals als Option zu betrachten. Dies zu ändern und das Gründen als wirkliche ernst zunehmende Alternative zu etablieren, war meine größte Motivation.

Auf was bist Du besonders stolz und was hättest Du im Nachhinein anders gemacht?

Besonders stolz bin ich auf unsere Gründerteams. Gerade diejenigen, die über ihren Schatten gesprungen sind und gesagt haben „ich möchte das Potential meiner Idee testen“. Ich finde es bemerkenswert, wie sie sich entwickelt haben. Ebenso die Teams, die letztendlich feststellen mussten, dass ihre Idee vom Markt nicht angenommen wird, wie sie es sich erhofft haben und aufgeben mussten. Alle Teams haben sich persönlich und fachlich sehr stark entwickelt.

Im Nachhinein hätte ich gerne von der ersten Minute an mit dem Pitchen begonnen. Zwar haben wir im zweiten Monat des Programms Pitch-Training-Tage eingeführt, allerdings wäre es besser gewesen, dies schon viel früher anzubieten. Es schadet nie seine Präsentationsfähigkeiten zu verbessern, auch, wenn man noch kein fertiges Geschäftsmodell hat. Diese Erkenntnis haben wir uns natürlich zu Herzen genommen und werden im kommenden VISIONEST-Programm das Pitchen von Beginn an üben.

Besonders stolz bin ich auf die Gründerteams, die über ihren Schatten gesprungen sind und gesagt haben „ich möchte das Potential meiner Idee testen“

Inwiefern unterscheidet sich das VISIONEST-Programm von anderen Förderprogrammen im Ruhrgebiet?

Das VISIONEST ist, im Gegensatz zu den meisten anderen Förderprogrammen, ein Accelerator, der in der Frühphase eines Startups ansetzt. Somit kann man Teil des VISIONEST werden, wenn man eine Idee hat, die einem nicht aus dem Kopf geht und und sie unbedingt realisieren möchte. Um sich bei uns zu bewerben, ist es nicht notwendig einen Business Plan zu haben, sondern viel mehr, dass man eine grobe Vorstellung eines Geschäftsmodells hat, das man gerne austesten möchte. Außerdem verfolgen wir die Philosophie, nicht im stillen Kämmerlein zu konzipieren, sondern rauszugehen und die Idee direkt am Markt weiterzuentwickeln. Am Ende des VISIONEST haben die Gründerteams ein schlüssiges und in sich stimmiges Geschäftsmodell entwickelt und idealerweise bereits erste Kunden und Partner gewinnen können.

Welche Kriterien muss ein Team oder ein einzelner Visionärr erfüllen, um in das VISIONEST-Programm aufgenommen zu werden und welche Art der Begleitung können die Teams erwarten?

img_3599Wir suchen Teams, die eine Idee haben, die sie unbedingt austesten wollen. Wichtig dabei ist, dass sie Lust haben und neugierig sind herauszufinden, ob ihre Idee ein gewisses Marktpotential mitbringt. Da unsere Kompetenz bei skalierbaren und digitalen Geschäftsmodellen liegt, ist es wichtig, dass die Idee der Teams diese beiden Kriterien erfüllt. Zudem ist es notwendig, dass mindestens ein Teammitglied ein Student einer deutschen Hochschule ist und, dass das Team mindestens 10-15 Stunden im EZW anwesend sein kann. Einerseits möchten wir Interessierten die Möglichkeit geben, auch neben
dem Studium zu gründen, anderseits ist es notwendig, eine gewisse Stundenzahl im EZW an der Idee zu arbeiten, da wir das VISIONEST als Community sehen, in der sich die Gründer auch gegenseitig austauschen. Die VISIONEST-Teilnehmer werden eng durch unser Team im EZW begleitet. Es werden regelmäßige Individual- und Gruppentreffen abgehalten. Zudem haben die Gründer die Möglichkeit, nach den ersten Phase (Breed Your Vision) eine Mentoren-Beziehung mit Personen aus unserem Netzwerk einzugehen und können sich bei Workshops und Vorträgen mit weiteren Experten zu spezifischen Gründerthemen, wie beispielsweise der Geschäftsmodellvalidierung, des Prototypen Test, des Marketings oder zu den Rechten und Pflichten eines Geschäftsführers, auszutauschen.

Nur weil sich alle Teams in der Frühphase bewegen, heißt es nicht, dass alle die gleichen Bedürfnisse haben und gleich behandelt werden können.

Das große Netzwerk des EZW spielt auch beim VISIONEST Programm eine bedeutende Rolle. Erzähl mal, aus welchen Akteuren besteht das Netzwerk und inwiefern ist es für die teilnehmenden Teams von Vorteil?

Das Netzwerk besteht aus verschiedensten Menschen, die Erfahrungen im Bereich der Gründung haben. Wir haben viele erfolgreiche Gründer, die Lust haben den Gründernachwuchs aktiv zu unterstützen. Aufgrund der Verbindung zur UWH, arbeiten wir außerdem sehr eng mit Professoren aller Fachrichtungen zusammen, was wiederum einen ganz neuen Kompetenzbereich hinzufügt und abdeckt. Zudem haben wir ein großes rechtliches Netzwerk, das sich aus Steuerberater, Rechtsanwälten und Notaren zusammensetzt, die unsere Gründer bei der Gründung, Vertragsgestaltung oder auch Markenanmeldung tatkräftig unterstützen. Jedes VISIONEST-Team bekommt mit der Teilnahme am Programm die Möglichkeit, das Netzwerk des EZW zu nutzen. Somit kann neben einer engen Mentoren-Beziehung auch Kontakt zu den einzelnen Netzwerkakteuren hergestellt werden. Auch verfügt das EZW über eine starke Medienvernetzung, die genutzt werden kann, um zusätzliche Reichweite zu generieren.

Was war für Dich persönlich die größte Hürde während des Programms?

img_3749Jedes Gründerteam ist einzigartig. Nur weil sich alle Teams in der Frühphase bewegen, heißt es nicht, dass alle die gleichen Bedürfnisse haben und gleich behandelt werden können. Die Schwierigkeit hierbei ist natürlich, auf die individuellen Bedürfnisse und Fragestellungen einzugehen und dabei die gemeinschaftliche Verbindung nicht zu vernachlässigen. Mit dem verbesserten Konzept des VISIONEST #2, haben wir uns dieser Aufgaben angenommen, sodass wir diese Hürde sicher meistern werden.

Was würdest Du Dir von den kommenden Teams wünschen und gibt es irgendwelche Tipps, die Du ihnen gerne auf den Weg geben würdest?

Ich wünsche mir von den Teams des VISIONEST #2, dass sie mit voller Energie ihrer Vision nachgehen und sich nicht von Rückschlägen unterkriegen lassen. Mein Tipp ist, habt keine Scheu vor dem Pitchen! Denn: Wenn Ihr Teammitglieder sucht, pitched Ihr Eure Idee; wenn Ihr Kunden akquiriert, pitched Ihr Eure Idee; wenn ihr Kapital sucht, pitched Ihr Eure Idee. Euer Pitch ist Euer ständiger Begleiter! Findet Spaß daran, Eure Präsentation ständig zu verbessern, denn nur wer seine Idee mit Passion präsentieren kann, wird es am Ende schaffen.

 

 

 

Wir wünschen Lena natürlich eine aufregende und schöne Zeit im Ausland, und hoffen, dass wir sie danach wieder ins EZW-Team schließen dürfen.

 

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