Bitcoin, die Rache der Nerds?

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Bitcoin, es ist schwer, sich derzeit diesem Thema zu entziehen. Nicht zuletzt seitdem die Kryptowährung die psychologische Schwelle von 10.000 US-Dollar pro Bitcoin(!) geknackt hat, hat auch die Berichterstattung in den Medien exponentiell zugenommen.

Und auch wir möchten Sie heute zu einem kurzen Ausflug in die abstrakte Welt der Blockchain einladen, denn für uns im Entrepreneurship Zentrum Witten stellt diese technologische Entwicklung eine Revolution dar, die in den kommenden Jahren weitreichenden Einfluss auf die Startup-Welt, Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen und unsere Gesellschaft insgesamt haben wird.

Was hat Bitcoin mit Startups zu tun?

Viel mehr als man im ersten Moment vielleicht denkt. Während Bitcoin das erste kryptografische Zahlungssystem war, welches Massenakzeptanz fand, gibt es neben Bitcoin, Ethereum und Litecoin über 1000 weitere Kryptowährungen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Sehen Sie hier die Rangliste der Kryptowährungen.

Jeder dieser sogenannten “Altcoins”, also Alternativwährungen zu Bitcoin, hat sein eigenes Ökosystem, ein Team von Entwicklern und eine eigene Anwendung. Hier lassen sich Parallelen zu klassischen Startups erkennen. Um sich zu finanzieren, geben diese Blockchain-Projekte ihre eigene digitale Währung aus, vielfach in Form von sogenannten ICOs (Initial Coin Offerings). Diese kann man mit der Erstemission von Aktien beim Börsengang traditioneller Unternehmens vergleichen, jedoch sind ICOs insbesondere international viel weniger reguliert und sind daher stark risikobehaftet.

Wie wird diese Thematik in Deutschland gehandhabt?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat sich kürzlich in einer eigenen Publikation dieser Thematik gewidmet, in der sie Verbraucher vor einem Totalverlust bei Investitionen in diesem Bereich warnt. Denn aktuell entsteht ein wahrer Hype um die Kryptowährungen, der sich durch den Eintritt institutioneller Investoren, die in Kürze einen Futures-Markt für Kryptowährungen eröffnen werden, noch weiter verstärken wird.

Doch die Bafin hat in ihrer Publikation gleichzeitig auch erste Richtlinien für ICOs in Deutschland aufgestellt. Somit sind diese in Deutschland immerhin nicht mehr gänzlich unmöglich, sondern werden von der Bafin im Einzelfall anhand der konkreten vertraglichen Ausgestaltung des ICOs geprüft. Dies ist eine sehr wichtige Entwicklung, denn mit der Regulierung wird auch eine Legitimierung dieser „Schwarm-Finanzierungsform“ für Startups im Blockchain-Bereich ermöglicht.

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass jeder Fortschritt in einem Grenzbereich stattfindet und so hat rückblickend sicherlich auch die Dotcom-Krise, mit der man den aktuellen Hype schnell vergleichen mag, einen Beitrag geleistet, um den Weg für die heutigen Entwicklungen und Geschäftsmodelle im Internet zu ebnen. Wir versuchen deshalb bewusst, unseren Blick weg von dem aktuellen Bitcoin und ICO-Hype hin auf den technologischen Fortschritt, der durch die Blockchain ermöglicht wird, zu richten.

Doch zurück zu den Nerds – an wem wollen sie sich rächen?

Um Ihnen dies zu erklären, müssen wir Ihnen zunächst Michael Novogratz(53) vorstellen. Er ist ehemaliger Fortress Hedgefund-Manager und war Partner bei Goldmann Sachs. Er tauchte 2007 und 2008 in der Milliardärliste des Forbes-Magazins auf und ist aktuell einer der bekanntesten Ex-Wallstreet-Banker, der sich der Bitcoin-Revolution angeschlossen hat.

Novogratz investierte unter Anderem sehr früh in Ethereum, der zweitstärksten Kryptowährung neben Bitcoin: Seinen Angaben nach beim Preis von 1 US-Dollar pro Ether, das zu diesem Zeitpunkt zu einem Wert von 467 US-Dollar gehandelt wird. Novogratz beschrieb in einem Interview mit Bloomberg TV im Herbst diesen Jahres den Technologie-Boom, der unumstritten auch zur Entwicklung von Blockchain-Technologien geführt hat, als die Rache der Nerds.

Rache an wem? An einem System von Banken, Regierungen und Institutionen, die ihrer Meinung nach das Vertrauen der Menschen verspielt haben. Ihre Antwort: Dezentralisierung, also Systeme, die anstatt von zentralen Entscheidungseinheiten dezentral funktionieren, also ohne Banken, Regierungen und sonstige Institutionen auskommen. So macht Bitcoin in seiner Grundidee beispielsweise eine Zentralbank hinfällig, weil die Währung per Code von einer Vielzahl von Rechnern weltweit automatisch gesteuert und durch ein dezentral geführtes Netzwerk an Entwicklern und Minern weiterentwickelt wird. Da die Ausgabemenge der Bitcoins von Anfang an begrenzt ist, kann auch kein virtuelles Geld wie im Falle der Zentralbanken nachgedruckt werden. Dadurch ist eine künstliche Verknappung von Anfang an gegeben, die auch den enormen Wertzuwachs der digitalen Währung begründet.

Wie sind diese Entwicklungen zu beurteilen?

Man kann diese technologische Entwicklung sicherlich aus zweierlei Perspektiven betrachten, aus der Perspektive der Skeptiker und die der Befürworter. Grundsätzlich ist es unheimlich schwer, sich die Entwicklungen in einer digitalen Welt vorzustellen, die in dieser Form noch nicht existiert. Es ist also verständlich, dass diese Entwicklung in Menschen Bedenken hervorrufen kann, da alles Unbekannte möglicherweise auch Risiken birgt. Vergleichbar zum Internet, können Entwickler ihre Fähigkeiten nutzen, um Gutes und Nützliches zu schaffen, oder mit krimineller Intention. Sicherheit und Vertrauen werden neben der Legitimierung also zum entscheidenden Faktor bei der Durchsetzung der Blockchain-Technologie.

Rein technologisch betrachtet stellt die Blockchain-Technologie jedoch eine Grundlage dar, um Transaktionen, Systeme effizienter, unabhängiger und auch sicherer zu gestalten. Sie bietet eine Vielzahl von Anwendungen nicht nur im Finanzwesen, sondern in nahezu jeder anderen Industrie auch. Die Technologie wird tiefgreifende Veränderungen in so manche Branche bringen, da in einer dezentralisierten Welt keine Mittelsmänner mehr benötigt werden. Es ist also aus unserer Sicht wichtig, sich frühestmöglich mit den Möglichkeiten, Entwicklungen und Auswirkungen in diesem Bereich zu beschäftigen.

Blockchain wird unser Schwerpunktthema 2018

2018 wird eine enorme Schwämme an neuem Geld privater und institutioneller Investoren für die Kryptowährungen erwartet, damit wird dieser Sektor noch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten. Gemäß Novogratz beschäftigt sich gerade jeder Hedge-Fund Manager, den er kennt, mit diesem Markt. Er selbst ist aktuell dabei, einen $500 Millionen Kryptofonds aufzusetzen, der unter Anderem auch in ICOs investiert.

Die institutionelle Welt ist also auf dem Vormarsch in diese spannende Sphäre. Die Blockchain wächst zwischenzeitlich von einem Experiment hin zur Implementierung. Wir gehen davon aus, dass wir 2018 die ersten Applikationen dieser Technologien in der realen Welt sehen werden. Daher möchten wir die Blockchain im EZW 2018 auch zu unserem Schwerpunktthema machen und aus ganz verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Disclaimer: Dieser Artikel beschreibt die Meinungen des Autors und dient ausschließlich der allgemeinen Information über Blockchain-Technologien sowie Kryptowährungen und stellt ausdrücklich keine Handlungsempfehlung dar.

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