An Wittens unterer Bahnhofstraße geben Firmengründer Gas

WAZ Presseartikel vom 16.04.2019

An Wittens unterer Bahnhofstraße geben Firmengründer Gas

Frischer Wind für die untere Bahnhofstraße: Das Gründerzentrum EZW ist ins Haus Bahnhofstraße 63 gezogen. Eine Ideenschmiede für Start-up-Firmen.

Die untere Bahnhofstraße, die bislang durch viele Leerstände von sich reden machte, wird zur Ideenschmiede für Jungunternehmer. Fünf Jahre lang haben Gründungswillige auf dem Wittener Unigelände innovative Ideen für Start-up-Unternehmen entwickelt. Jetzt ist das Gründungszentrum EZW von der Alfred-Herrhausen-Straße ins einstige „Kempf-Haus“ an die Bahnhofstraße 63 umgezogen. Hier hat auch die Uni Räume angemietet.

Das EZW prüft die Geschäftsideen von Studierenden, die sich selbstständig machen wollen, aber auch von anderen jungen Gründungswilligen. Derzeit werden sieben Start-ups jeweils über ein Jahr lang beraten und begleitet, drei weitere sollen bald hinzukommen. Das EZW bietet diesen Büroarbeitsplätze an der Bahnhofstraße an – kostenlos. „Firmen können ihre Mitarbeiter zu uns schicken“

Einige Unternehmensgründer kommen auch in den Genuss des Gründerstipendiums NRW, mit dem das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium dabei helfen möchte, tragfähige Geschäftsideen auf den Weg zu bringen. „Start-up-Teams bekommen vom Land ein Jahr lang 1000 Euro im Monat“, erklärt EZW-Geschäftsführer Prof. Erik Strauß. Der Kölner Wirtschaftswissenschaftler hat an der Uni Witten den Lehrstuhl für Controlling und Unternehmenssteuerung inne. Der 36-Jährige möchte im EZW auch etablierten Unternehmen Gelegenheit bieten, sich über innovative Produkt- Entwicklungen und über das wichtige Thema Digitalisierung zu informieren. „Firmen können hierzu ihre Mitarbeiter zu uns schicken.“

Wie erfolgreich das 2014 gegründete EZW arbeitet, zeigt auch die berufliche Biografie von Tim Kahrmann, Vorgänger von EZW-Geschäftsführer Strauß. Im Herbst 2016 hatte Kahrmann mit zwei Mitstreitern die Firma Pflegix gegründet. Ein Onlineportal, das Menschen, die Pflege, Betreuung und Hilfe im Alltag benötigen, Helfer, „Kümmerer“, vermittelt – von der Putz- und Haushaltshilfe bis zur examinierten Pflegekraft Aus dem Start-up-Unternehmen wurde eine erfolgreiche Firma, die heute ihren Sitz in der Bochumer City hat.

Interessante Routen-Tipps für Oldtimer-Fans

Zwei Start-up-Firmen, die derzeit im EZW an der Bahnhofstraße beraten werden, sind „DriveUs“ (www.driveus.de) und „Quickdoctor“ (www.quickdoctor.de). Bei DriveUs-Gründer Carl-Heribert Heinzelmann begann alles mit der Liebe zu Oldtimern, wie der 20-Jährige verrät.

Heinzelmann studiert wie seine Mitgründer Nils Niemeyer und Erik Junkereit Wirtscha ftswissenschaft an der Uni Witten/Herdecke. Mit einem Mercedes 350 SLC, den 1977 sein Großvater kau e, nimmt Heinzelmann an Oldtimer-Rallyes teil. Sein Start-up-Unternehmen arbeitet Fahrtrouten für Oldtimer-Fans aus und verkaufen diesen die sogenannten Roadbooks. Die Idee kam Heinzelmann, als er für sein Studium nach Witten zog und mit seinem Auto die Gegend erkunden wollte, aber keine Webseiten mit Routen fand, die seinen Erwartungen entsprachen. Mitgründer Nils Niemeyer: „Wir fahren alle Routen, die wir empfehlen, selber ab!“

Tipps für Touren im Bergischen Land gibt’s schon. „In den nächsten zwei, drei Wochen wird es auch welche für das Sauerland geben“, so Niemeyer. Das Ziel des Gründertrios: Eine Plattform entwickeln, auf der dann alles online zu sehen ist, „auch die Sehenswürdigkeiten an der Strecke und Restaurants“.

Ärzte melden freie Termine an Onlineplattform

Die Wirtschaftsstudentin Nina Sofie Krah (22) hat mit dem Wittener Zahnmedizin-Studenten Max Schüler (19) die Firma „Quickdoctor“ gegründet. Die Idee: Ärzte sollen freie Termine auf einer Onlineplattform veröffentlichen können. Patienten können diese dort buchen. Die Hochschulambulanz der Wittener Uni macht mit, auch die Uni-Zahnklinik. Drei niedergelassene Wittener Zahnärzte und eine Frauenärztin wollen in den nächsten Monaten ebenfalls bei „Quickdoctor“ vertreten sein. Nina Sofie Krah: „Die Ärzte zahlen hierfür eine Gebühr. Für die Patienten ist alles kostenlos.“ Aus dem Onlineportal heraus möchten die Gründer eine App entwickeln.

Uni hat rund 200 Quadratmeter Bürofläche angemietet

Dass das EZW nicht mehr – wie zu Tim Kahrmanns Zeiten – auf dem Wittener Campus zu finden ist, sondern in der Innenstadt, findet Geschäftsführer Erik Strauß vorteilhaft . „Wir sind für Studierende, die mit dem Zug zu uns kommen, jetzt in wenigen Gehminuten zu erreichen.“ Nicht nur das EZW hat das Unigelände verlassen, auch die Hochschule – auf Wachstumskurs – hat rund 200 Quadratmeter Bürofläche in der ersten Etage des Hauses Bahnhofstraße 63 angemietet. Neue Räumlichkeiten für Mitarbeiter der Abteilung Universitätsentwicklung, studentische Projektgruppen sowie Stipendiaten und Doktoranden des Wittener Instituts für Familienunternehmen, kurz WIFU.

Und: Die Studenten-Initiative Unikat-Club will das Erdgeschoss des Eckhauses – in dem zuletzt Tedi sein Ladenlokal hatte – mit kulturellem Leben füllen.

WAZ Artikel

Quelle:WAZ – Jutta Bublies 15.04.2019 – 20:45 Uhr

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