Blogeintrag: Psychischer Erkrankungen in Familienunternehmen

Psychischer Erkrankungen in Familienunternehmen

Sind Mitglieder von Familienunternehmen besonders anfällig für psychische Erkrankungen? 

Laut der DGPPN* sind pro Jahr 17,8 Millionen Erwachsene in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das sind mehr als 27% der Erwachsenen in Deutschland. Faktoren wie Stress, Unwohlsein, Angst oder Leistungsdruck begünstigen eine psychische Erkrankung. 

Besteht ein erhöhtes Risiko, wenn man in einem Familienunternehmen arbeitet?

Miller, Wiklund und Yu (2019) haben sich mit dieser Frage beschäftigt und die entscheidenden Faktoren untersucht. Tendenziell lässt sich sagen, dass Mitglieder von Familienunternehmen ein erhöhtes Risiko haben, an einer psychischen Erkrankung zu leiden, egal, ob sie in einer Führungsposition tätig sind oder nur zu den normalen Mitarbeitern gehören. Die Gründe dafür sind z.B.:

  • Identifikation mit dem Unternehmen (Leistungsanspruch an sich selbst)
  • Druck aus der Familie (Leistungsanspruch von der Familie)
  • Unklare Trennung zwischen Familie und Arbeit

Eine psychische Erkrankung bedeutet nicht automatisch, dass eine Person arbeitsunfähig oder gar gesellschaftsunfähig wird! 

Ist das Familienunternehmen automatisch zum scheitern verurteilt, wenn ein Mitglied der Familie psychisch erkrankt?

Nicht zwangsläufig, denn der weitere Verlauf der erkrankten Person und des Unternehmens hängt von dem Umgang der Familie mit der Situation ab. 

Im Idealfall herrscht eine positive Atmosphäre innerhalb der Familie, in der die Erkrankung angesprochen und eine gemeinsame Lösung gefunden wird, wie die erkrankte Person weiter im Unternehmen aktiv bleiben kann. Zum Beispiel kann ein erkranktes Mitglied, dass aufgrund von Angststörungen nicht mehr in der Lage ist, öffentliche Vorträge zu halten, sich auf Bereiche beschränken, in denen ein öffentliches Auftreten nicht nötig ist.

Im schlimmsten Fall herrscht in der Familie eine negative Atmosphäre, die es erheblich schwerer macht, eine psychische Erkrankung konstruktiv anzusprechen. Das kann bedeuten, dass eine Führungskraft mit einer psychischen Erkrankung, nicht einsieht, ihre Position abzugeben oder, dass die Familie, die erkrankte Person aufgrund der Erkrankung nicht mehr akzeptiert und sie von dem Unternehmen ausschließt. Daraus können weitreichende Schäden folgen, sowohl für das Unternehmen, als auch für die erkrankte Person.

Es liegt also an dem Umgang der Familie, wie stark das Familienunternehmen Schaden nimmt und wie gut die erkrankte Person sich erholen kann.

*DGPPN – Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde

Zahlen und Fakten:

https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/154e18a8cebe41667ae22665162be21ad726e8b8/Factsheet_Psychiatrie.pdf

Wenn du mehr über die Studie erfahren möchtest, kannst du den Artikel “Mental Health in the Family Business: A Conceptual Model and a Research Agenda” aus dem Entrepreneurship Theory and Practice, Volume 44, Issue 1, 2020 über die EZB der Uni kostenlos* abrufen.

 

*für Studierende und Mitarbeiter*innen der UW/H

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